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Mitarbeiter und ihre Ideen – das betriebliche Vorschlagswesen bei Mattes & Ammann

Im Rahmen der Techtextil traf Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas Christoph Larsén-Mattes, Geschäftsführer bei Mattes & Ammann, zum Place2tex Talk über Ideenmanagement im Unternehmen, Mitarbeiterkultur und im speziellen den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. 

 

Place2tex Talk mit Christoph Larsén-Mattes

(...)Also Ihre Ausführungen gefallen mir insgesamt sehr gut, die erfreuen mich, noch nicht mal für die Person, sondern für unsere Firma. In Sachen Innovationen und den Tatbestand, dass Sie auf den kontinuierlichen Verbesserungsprozess hinauswollen, kann ich Ihnen sagen, dass dies unbedingt notwendig ist in einer Firma. Um Verbesserungen nicht nur von oben nach unten durchzusetzen, sondern mit Hilfe der ganzen Belegschaft, allen Mitarbeitern, die ganze Kraft einer Firma zu entwickeln. Einer alleine kann es nicht – alte Weisheit. Ich frage mich nur: Wie kriege ich die anderen eingebunden? Da ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess ideal.

PH: Im Rahmen dieses Verbesserungsprozesses gibt es ja ein ganz konkretes Instrument – das Vorschlagswesen. Das klingt jetzt auch nicht nach der Neuerfindung des Rades. Wir stellen aber fest, dass im textilen Mittelstand das Instrument gar nicht so verbreitet ist. Warum haben Sie es eingeführt?

Ich denke, dass das System ungefähr zehn, fünfzehn Jahre alt ist bei uns. Wir haben es eingeführt, um die Kräfte der ganzen Firma, zur Entfaltung zu bringen.Wir wollen uns gemeinsam als Einheit permanent verbessern zum Erfolg der Firma.

PH: Wie funktioniert das und vor allem wie haben Sie es vermittelt, dass die Leute es verstanden haben und dann auch freiwillig mitmachen?

Ganz wichtig ist, dass man das Verbesserungswesen einfach macht und schnell. Was ist der Hintergrund, warum will der Mitarbeiter einen Verbesserungsvorschlag machen? Nicht wirklich, um in der Firma etwas zu verbessern, außer es betrifft seinen unmittelbaren Arbeitsplatz und er hat eine Erleichterung. Was ist der eigentliche Hintergrund des Wunsches der Verbesserung? Geld. Es geht immer bei allem um Geld. Sein Ziel ist durch einen Verbesserungsvorschlag selbst zu Geld zu kommen. Jetzt könnten Sie bösartig sein und sagen, der Herr Larsén-Mattes hat schlechte Gedanken. Nein, hat er gar nicht! Mich stört das gar nicht. Und warum nicht? Weil es ja eine Win-Win-Situation ist. Die Firma kriegt eine Verbesserung und der Mitarbeiter kriegt Geld. Was ist da Schlechtes dran? Im Gegenteil, es ist ganz wunderbar.

Place2tex Talk mit Christoph Larsén-Mattes

PH: Ist es dann nicht auch so, dass der Mitarbeiter eigentlich unternehmerisch denkt? Also genau wie sie als Unternehmer auch?

Er denkt unternehmerisch und egoistisch. Wen störts? Was er aber möchte ist schnell wissen, ob sein Denken Wert hat. Das heißt er will wissen kriegt er Geld oder kriegt er keins und wann haben wir die meisten Verbesserungsvorschläge? Vorm Sommerurlaub und vor Weihnachten. Wen störts? Mich nicht. Hauptsache sie kommen.

PH: Wie funktioniert das System? Gibt man Zettel mit einer Idee bei Ihnen ab und wie schnell reagieren Sie darauf?

Einen Zettel gibt es prinzipiell schon mal gar nicht, es gibt höchstens ein Dokument. Das ist dann das KVP-Wesen (Anm. kontiuierliche Verbesserungsprozess im Unternehmen). Sie müssenIhren Verbesserungsvorschlag einreichen am besten auch gleich mit Ersparnissen und Kosten. Wir versuchen in der Regel in der ersten Woche vom neuen Monat innerhalb einer Stunde alles zu entscheiden. Wer entscheidet? Der Chef. Das ist ganz einfach. Und wie funktioniert das? Es gibt 50, 100, 200 und 500 Euro. Es wird nicht gemessen, wie groß der Erfolg der Sache ist, sondern je Beurteilung bekommt der Mitarbeiter das Geld in der ersten Woche vom neuen Monat vorgeschossen. Das heißt er hat einen schnellen Erfolg – das ist wichtig für die Mitarbeiter. Dann ist er auch bereit wieder einen neuen Vorschlag einzureichen, wenn es zu lange geht, wird er das nicht tun.

PH: Jetzt könnte ich fragen, wie viele Vorschläge haben Sie schon bekommen in den zehn Jahren, aber es legt natürlich auch immer an Belegschaftsgrößen. Vielleicht machen wir es mal prozentual. Wie viel Prozent Ihrer Mitarbeiter haben schonmal einen solchen Vorschlag gemacht?

Kann ich Ihnen ganz objektiv gar nicht beantworten, ich habe keinerlei Zahlen im Kopf.

PH: Gefühlt?

Hunderte, aberhunderte, das muss man sagen. Aber es gibt auch Dinge, die können Sie einfach nicht annehmen, aber dann macht man 50 € Anerkennung und sagt „Gut mitgedacht“, aber dies können wir einfach nicht umsetzen., Damit die Mitarbeiter motiviert bleiben und immer weiter mitdenken ist auch dies wichtig.

PH: Gibt es denn in Ihrer Erinnerung einen Vorschlag, wo Sie sagen, der hat uns jetzt richtig nach vorne gebracht im Unternehmen, dass war nah an einer Innovation?

Ich denke nicht so an Innovationen, ich denke da mehr wie mein Mitarbeiter gerade ans Geld und in dem Fall an mich. Wir haben Maschinen, die sind beleuchtet auch solange sie produzieren. Solange sie jedoch produzieren brauche ich kein Licht. Ein Mitarbeiter hat gesagt, dann schalten wir alle Lichter ab, wenn wir in die Produktion gehen. Was den Nachteil hatte, dass es in der Strickerei sehr viel dunkler wurde, aber den Vorteil, dass wir in dieser Strickerei, wir haben neun,  pro Jahr einen Polo einsparen und das finde ich einfach grandios, praxisnah, pragmatisch, gut mitgedacht und das freut mich noch heute.

PH: Und haben Sie Wünsche für die Zukunft, wie sich dieses Verbesserungssystem entwickeln soll oder sagen Sie, wenn es so bleibt auch die nächsten 10 Jahre dann ist alles gut?

Auf der Welt bleibt nichts wie es ist, ich wünsche mir, dass es nicht rückwärtsgeht, sondern vorwärts. Und ich hoffe, dass meine Mitarbeiter viel an sich denken, weil ich dadurch auch in den Genuss der Vorteile komme und ich würde mir eher wünschen, dass es noch mehr wird, denn mehr ist nur besser für uns als Firma.

PH: Dann als letztes ihr Tipp an Textilunternehmen, an Chefs, die so ein System einführen wollen. Was sollten sie als erstes machen?

Ganz schwierig, wenn ein Chef einem anderen einen Tipp geben soll, denn die Chefs sind auch eher egozentrisch und keiner will so recht was vom anderen hören. Wenn er es denn tun wollte, zum Vorteil seiner Einheit, dann muss er es so anrichten, dass die Bewertung des Vorganges schnell vonstattengeht und die Mitarbeiter schnell weiß, ob er Erfolg hat. Das ist das A und O an der ganzen Geschichte und das ist auch ein Stück der Schlüssel zum Erfolg.

PH: Und ein Stück Wertschätzung auch im täglichen Miteinander im Betrieb?

Ja, wenn man dem Mitarbeiter begegnet, begegnet er einem lachend, stolz und was gibt es Besseres für eine Firma als zufriedene Mitarbeiter? Das kann man nur anstreben.

Christoph Larsén-Mattes – vielen Dank!